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Kansas live in den 70ern: Steve Walsh als Frontmann und das Album Two for the Show

Two for the Show hält die Kansas-Konzerte von 1977 und 1978 fest, u. a. aus dem Palladium New York. Setlist, Bühne, Walshs Rolle, 30th-Anniversary-Ausgabe.

Wie klang Kansas auf der Bühne in den 70ern?

Kansas galt in den 70ern als Band, die ihre Studioaufnahmen live präzise reproduzieren konnte, und genau das dokumentiert Two for the Show. Das Doppel-Livealbum erschien im Oktober 1978 und wurde 1977 und 1978 auf der Tournee zu „Point of Know Return“ mitgeschnitten, an drei Orten: im Palladium in New York, im Pine Knob Music Theatre in Michigan und im Merriweather Post Pavilion in Maryland. Aufgenommen hat das Record Plant Mobile, den Mix besorgte die Band selbst.

Das Ergebnis sind 18 Stücke auf vier Plattenseiten, rund 80 Minuten, aus den ersten fünf Studioalben. Es gibt keine Overdubs, keine Effekte und keine Ansagen, die den Fluss unterbrechen. Für eine Band, die für lange, verschachtelte Stücke bekannt war, ist das der beste Beleg dafür, dass die Arrangements auch ohne Studio-Sicherheitsnetz standen. Wie diese Songs entstanden, liest du auf der Seite über Kansas.

Was machte Steve Walsh als Frontmann aus?

Bewegung. Walsh sang und spielte Orgel, Klavier und Synthesizer zugleich, und statt hinter den Tasten zu verschwinden, nutzte er jeden Moment ohne Keyboard-Part, um an den Bühnenrand zu laufen. Seine athletische Präsenz wurde zum Markenzeichen: Ein Handstand auf dem Keyboard, den er bei Konzerten zeigte, ist in einem Video aus den 80ern festgehalten und gilt unter Fans als legendär. Auf der Bühne war er der Gegenpol zu Kerry Livgren, der konzentriert an Gitarre und Keyboards stand.

Stimmlich hörst du auf „Two for the Show“, warum die Band ihn brauchte. Er singt „Carry On Wayward Son“ in Originaltonart, hält „Dust in the Wind“ leise und kontrolliert und trägt in „Journey from Mariabronn“ die langen Melodiebögen über die Instrumentalteile. Robby Steinhardt übernimmt einzelne Leadgesänge und die Harmonien, sodass die Band zwei Frontleute hatte. Was Walsh stimmlich von seinen Nachfolgern unterscheidet, erklärt der Artikel über die drei Stimmen von Kansas.

Welche Songs spielte Kansas 1977 und 1978?

Die Tracklist von „Two for the Show“ ist die verlässlichste Setlist der Ära, weil sie aus den regulären Konzerten dieser Tournee zusammengestellt wurde.

SeiteSongAlbumLänge
1Song for AmericaSong for America (1975)7:31
1Point of Know ReturnPoint of Know Return (1977)3:07
1ParadoxPoint of Know Return4:09
1Icarus - Borne on Wings of SteelMasque (1975)5:58
2Portrait (He Knew)Point of Know Return5:19
2Carry On Wayward SonLeftoverture (1976)4:38
2Journey from MariabronnKansas (1974)8:55
3Dust in the WindPoint of Know Return6:19
3Lonely WindKansas4:29
3Mysteries and MayhemMasque4:01
3Excerpt from Lamplight SymphonySong for America2:39
3The WallLeftoverture4:54
4Closet ChroniclesPoint of Know Return6:55
4Magnum OpusLeftoverture11:18

Auffällig ist, wie viel Platz das aktuelle Album bekam: Fünf der 14 Stücke stammen von „Point of Know Return“. „Magnum Opus“ als Abschluss war der Moment, in dem alle sechs Musiker solistisch zu hören waren, „Dust in the Wind“ der ruhige Kontrapunkt, bei dem Rich Williams das Akustikgitarrensolo übernahm. Die Geschichte dieses Songs auf der Bühne steht im Artikel über Dust in the Wind.

Wie erfolgreich war das Livealbum?

Kommerziell ordentlich, nicht spektakulär. „Two for the Show“ erreichte Platz 32 der Billboard 200 und Platz 29 in Kanada, wurde aber schnell mit Gold und kurz darauf mit Platin ausgezeichnet. Im Januar 1979 erschien „Lonely Wind“ als Single, in einer für das Radio gekürzten Fassung mit Walsh am Klavier, und kam auf Platz 60 der Hot 100. Es war der einzige Kansas-Hit, der von einer Liveaufnahme stammte.

Das Album fiel in eine Zeit, in der Doppel-Livealben zum Standard gehörten: Kiss, Peter Frampton und Bob Seger hatten vorgemacht, dass sich Konzertmitschnitte millionenfach verkaufen. Kansas nutzten das Format anders. Statt Publikumsbeteiligung und Bühnenansagen dokumentiert die Platte die Musik, und deshalb hat sie sich besser gehalten als viele Livealben ihrer Zeit.

Was bringt die 30th-Anniversary-Ausgabe?

Elf bisher unveröffentlichte Stücke aus denselben Aufnahmen. 2008 legten Jeff Glixman und Phil Ehart das Album als Doppel-CD neu auf, remastert und auf rund 148 Minuten erweitert. Die zweite CD enthält unter anderem „Incomudro - Hymn to the Atman“, „Child of Innocence“ und „Belexes“, also genau die langen Prog-Stücke, die auf der Original-LP keinen Platz gefunden hatten. Wer die Band in voller Länge hören will, braucht diese Ausgabe.

Auf Vinyl ist das Original als Doppel-LP gebraucht gut zu finden, meist im Klappcover. Wie du Erstpressungen erkennst und welche Reissues der klassischen Alben es gibt, erklärt der Artikel Kansas auf Vinyl. Die Liveaufnahmen der späteren Jahre, von „Live at the Whisky“ 1992 bis „There’s Know Place Like Home“ 2009, findest du auf der Seite Kansas-Live-DVDs.

Warum ist diese Ära für Walsh so wichtig?

Weil sie ihn als Sänger definiert hat. Zwischen 1976 und 1978 spielte Kansas vor dem größten Publikum ihrer Karriere, und Walsh trug diese Konzerte Abend für Abend in einer Tonlage, die er später nicht mehr halten konnte. Die Aufnahmen auf „Two for the Show“ zeigen ihn auf dem Höhepunkt: kräftig, sicher in den Höhen und mit der Energie, die auch die Kollegen antrieb.

Gleichzeitig war es die Zeit, in der er am meisten Instrumente gleichzeitig bediente, Hammond, Klavier, Synthesizer und Vibraphon. Welche das im Einzelnen waren und wie sich sein Setup bis in die 80er veränderte, liest du im Artikel über Hammond-Orgel und Synthesizer.

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