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Wer ist der Sänger von Kansas? Alle Sänger von 1973 bis heute

Kansas hatte drei Frontsänger: Steve Walsh (1973 bis 1981 und 1985 bis 2014), John Elefante (1981 bis 1984) und Ronnie Platt (seit 2014), dazu Geiger Robby Steinhardt als zweite Leadstimme. Wer wann sang und was die Stimmen unterscheidet.

Der Sänger von Kansas ist seit 2014 Ronnie Platt. Davor stand über vier Jahrzehnte fast durchgehend Steve Walsh am Mikrofon: von 1973 bis 1981 und nach seiner Rückkehr von 1985 bis 2014. Die Lücke dazwischen füllte John Elefante mit den Alben „Vinyl Confessions“ (1982) und „Drastic Measures“ (1983). Dazu kommt Geiger Robby Steinhardt, der in der klassischen Ära und nach seiner Rückkehr 1997 als zweite Leadstimme neben Walsh sang. Für eine Progressive-Rock-Band, die seit 1973 existiert, ist das eine ungewöhnlich stabile Besetzung am Mikrofon, und trotzdem hörst du jeden Wechsel auf den Platten.

Kansas Sänger im Überblick: das Line-up am Mikrofon 1973 bis 2026

SängerJahre bei KansasAlben (Auswahl)Stimme
Steve Walsh1973 bis 1981, 1985 bis 2014Kansas, Leftoverture, Point of Know Return, Two for the Show, Power, Somewhere to Elsewhereheller, kraftvoller Tenor, dazu Hammond-Orgel und Keyboards
Robby Steinhardt1973 bis 1982, 1997 bis 2006Co-Lead auf allen Alben der 70er, Geigetiefere, erdige Stimme, Gegenpol zu Walsh
John Elefante1981 bis 1984Vinyl Confessions, Drastic Measuresglatter, radiotauglicher Tenor
Ronnie Plattseit 2014The Prelude Implicit, The Absence of Presenceklarer, hoher Tenor in Walshs Lage

Wer war der erste Sänger von Kansas?

Steve Walsh. Er wurde am 15. Juni 1951 in St. Joseph, Missouri, geboren und kam über die Vorläuferband White Clover aus Topeka zu Kansas. In der Topeka-Szene der frühen 70er existierten zwei Formationen nebeneinander: Kansas um Songwriter Kerry Livgren und White Clover um Schlagzeuger Phil Ehart, Gitarrist Richard „Rich“ Williams, Bassist Dave Hope und Walsh. Die sechs Gründungsmitglieder, benannt nach ihrem Bundesstaat, schrieben mit Titeln wie „Can I Tell You“ vom Debüt 1974 amerikanische Rockgeschichte. 1973 gingen beide Lager zusammen, Geiger Robby Steinhardt kam dazu, und Don Kirshner nahm die Gruppe unter Vertrag. Vom Debüt „Kansas“ (1974) bis zu „Audio-Visions“ (1980) war Walshs Stimme auf jedem Album zu hören: ein heller, kräftiger Tenor, der sich über Livgrens Gitarrenriffs und Steinhardts Geige legte. Dazu spielte Walsh Hammond-Orgel und Keyboards und schrieb selbst Songs, darunter den Titelsong von Point of Know Return zusammen mit Steinhardt und Ehart.

Wichtig für die Einordnung: Die beiden größten Hits der Band, „Carry On Wayward Son“ und „Dust in the Wind“, hat Kerry Livgren geschrieben. Walsh hat sie gesungen und damit geprägt. Dass die Öffentlichkeit die Stimme mit der Band gleichsetzt, liegt genau an dieser Arbeitsteilung: Livgren lieferte die Songs, Walsh das Gesicht und den Klang. Wer wissen will, wer „Carry On Wayward Son“ im Original singt, findet die Antwort im Artikel zu Carry On Wayward Son.

Robby Steinhardt: die zweite Leadstimme

Kansas hatte in den 70ern zwei Leadsänger, auch wenn nur einer als Frontmann galt. Robby Steinhardt, klassisch ausgebildeter Geiger aus Chicago, sang auf jedem Album der klassischen Ära einzelne Stücke mit seiner tieferen Stimme, auf Point of Know Return etwa „Closet Chronicles“, „Lightning’s Hand“, „Sparks of the Tempest“ und „Hopelessly Human“. In vielen Refrains liegen beide Stimmen übereinander, Walsh oben, Steinhardt unten; auf Leftoverture singt Steinhardt „Miracles Out of Nowhere“ und „Cheyenne Anthem“, auf Masque „Icarus“ im Duett mit Walsh. Live war Steinhardt außerdem der Ansager der Band. Er verließ Kansas 1982 nach der Tour zu „Vinyl Confessions“, kehrte 1997 zurück und stieg 2006 endgültig aus. Robby Steinhardt starb am 17. Juli 2021 in Tampa, Florida. Sein Nachfolger an der Geige war David Ragsdale, seit 2023 spielt Joe Deninzon.

Warum ging Steve Walsh 1981?

Im Oktober 1981 war Schluss. Livgren und Bassist Dave Hope hatten sich dem evangelikalen Christentum zugewandt, und Livgrens Texte folgten dieser Richtung. Walsh wollte diesen Weg nicht mitgehen, offiziell hieß es: kreative Differenzen über die textliche Ausrichtung des nächsten Albums. Er gründete mit Gitarrist Mike Slamer die Band Streets, die bei Atlantic zwei Alben veröffentlichte, „1st“ im Jahr 1983 und „Crimes in Mind“ 1985. Mehr zu diesen Jahren steht im Artikel Steve Walsh in den 80ern.

John Elefante: der Sänger der Vinyl-Confessions-Jahre (1981 bis 1984)

Ende 1981 suchte Kansas einen Nachfolger, der singen, Keyboard spielen und Songs schreiben konnte, denn Walsh hatte alle drei Rollen ausgefüllt. Die Band sichtete über 200 Bewerber, darunter Namen wie Sammy Hagar und Doug Pinnick, und kam am Ende auf drei Kandidaten: Warren Ham, Michael Gleason und John Elefante. Elefante, geboren am 18. März 1958 in Levittown, New York, bekam den Job.

Sein erstes Album mit der Band war „Vinyl Confessions“, veröffentlicht am 20. Mai 1982 und aufgenommen mit Ken Scott als Co-Produzent in den Chateau Recorders in North Hollywood. Die Platte erreichte Platz 16 der Billboard 200, die Single „Play the Game Tonight“ kam auf Platz 4 der Mainstream-Rock-Charts. Elefantes Stimme sitzt höher und glatter als Walshs, mit weniger Rauheit und mehr Pop-Politur. Genau das machte die Songs radiotauglich und entfernte sie gleichzeitig vom Prog-Kern der 70er.

„Drastic Measures“ folgte im Juli 1983, diesmal ohne Robby Steinhardt. Elefante schrieb den Großteil des Materials, Livgren steuerte nur noch drei Stücke bei, darunter „Mainstream“, in dem er die neue Ausrichtung der Band offen kritisiert. „Fight Fire with Fire“ wurde mit Platz 3 der Mainstream-Rock-Charts zur höchstplatzierten Single der Bandgeschichte in diesem Format, das Album selbst blieb mit Platz 41 der Billboard 200 hinter den Erwartungen zurück. Nach einem Silvesterkonzert Ende 1983 löste sich Kansas auf. Elefante nahm 1984 noch den Song „Perfect Lover“ für die Compilation „The Best of Kansas“ auf, dann gingen er, Livgren und Hope eigene Wege. Elefante wurde später ein vielfach ausgezeichneter Produzent im christlichen Rock; sein Profil findest du unter John Elefante. Als Walsh 2014 seinen Rückzug ankündigte, kam Elefante kurz als Rückkehrer ins Gespräch und sagte am 4. Juli 2014 ab.

Steve Walsh, zweiter Anlauf (1985 bis 2014): Line-up, Erfolge und Tour-Jahre

1985 fanden Walsh, Phil Ehart und Rich Williams wieder zusammen, mit Gitarrist Steve Morse und Bassist Billy Greer, der schon bei Streets gespielt hatte. 1986 erschien das Reunion-Album Power mit dem Radiohit „All I Wanted“. Es folgten „In the Spirit of Things“ (1988), „Freaks of Nature“ (1995) mit Geiger David Ragsdale, „Always Never the Same“ (1998) mit dem London Symphony Orchestra, die Rückkehr von Steinhardt 1997 und die Reunion mit Livgren für Somewhere to Elsewhere im Jahr 2000. Livgren blieb danach seiner eigenen Band Proto-Kaw treu. Kansas selbst war fast ausschließlich Tourband, mit rund 100 Shows im Jahr vor treuem Publikum und Livealben wie „Device – Voice – Drum“ (2002) und „There’s Know Place Like Home“ (2009). Walshs Stimme veränderte sich in dieser Zeit hörbar: Die Höhen der 70er wurden schwerer erreichbar, dafür gewann der Gesang an Gewicht und Ausdruck. Wer die späten Live-Aufnahmen mit Two for the Show von 1978 vergleicht, hört zwei Phasen desselben Sängers.

Am 30. Juni 2014 teilte Walsh der Band mit, dass er aussteigt. Sein letztes Konzert mit Kansas fand am 16. August 2014 in Sioux City, Iowa, im Hard Rock Hotel & Casino statt, so steht es in der offiziellen Mitteilung auf kansasband.com, in der die Band ihm für 41 Jahre dankt. Die Hintergründe des Abschieds haben wir im Artikel Warum Walsh 2014 aufhörte zusammengetragen.

Wer singt bei Kansas seit 2014?

Am 14. Juli 2014 gab Kansas über Facebook bekannt, dass Ronnie Platt neuer Sänger und Keyboarder wird, zusammen mit Keyboardist David Manion, der die zweite Tastenposition bis 2018 hielt; danach übernahm Tom Brislin. Platt, geboren am 24. Februar 1962, hatte jahrelang in Chicagoer Coverbands gesungen, nebenbei als Lkw-Fahrer gearbeitet und seit 2007 die Band Shooting Star gefrontet. Den Kontakt zu Rich Williams stellte er über Facebook her. Seine Stimme liegt in einer ähnlichen Lage wie die des jungen Walsh, mit einem klaren, hohen Tenor, der die alten Stücke ohne Transponierung tragen kann. Das ist der Grund, warum die Klassiker live weiter stimmig klingen, ohne dass Platt Walsh imitiert.

Mit Platt entstand am 23. September 2016 „The Prelude Implicit“, aufgenommen in den Real 2 Reel Studios in Jonesboro, Georgia, und veröffentlicht bei Inside Out Music. Es war das erste Studioalbum seit „Somewhere to Elsewhere“, also nach 16 Jahren Pause, und erreichte Platz 41 der Billboard 200. „The Absence of Presence“ folgte am 17. Juli 2020, produziert von Gitarrist Zak Rizvi zusammen mit Phil Ehart und Rich Williams. Auf beiden Alben ist Platt nicht nur Sänger, sondern Teil eines neu formierten Songwriting-Teams. Im Februar 2025 machte Platt eine Schilddrüsenkrebs-Diagnose öffentlich; die Band sagte für die Operation zwei Konzerte ab, im Frühjahr stand er wieder auf der Bühne. Sein Profil: Ronnie Platt.

Live-Alben: Wo du jede Stimme hören kannst

Wer die drei Sänger vergleichen will, greift zu den Live-Alben. „Two for the Show“ (1978) zeigt Walsh und Steinhardt auf dem Höhepunkt der Karriere, aufgenommen auf der US-Tour 1977/78. „Live at the Whisky“ (1992) dokumentiert die Besetzung mit David Ragsdale an der Geige, „Device – Voice – Drum“ (2002) und „There’s Know Place Like Home“ (2009) die späte Walsh-Ära, letztere mit Orchester. Für Platt steht „Point of Know Return Live & Beyond“ (2021), auf dem er die Klassiker der Band komplett singt. Ein Best-of-Album wie „The Best of Kansas“ (1984) mischt dagegen Walsh- und Elefante-Aufnahmen; die Top-10-Single „Dust in the Wind“ und die Classic-Rock-Radio-Dauerbrenner „Carry On Wayward Son“ und „Point of Know Return“ sind darauf immer in der Walsh-Version enthalten.

Gibt es die Band Kansas noch?

Ja. Kansas tourt weiter, 2023 feierte die Band ihr 50-jähriges Bestehen mit der Compilation „Another Fork in the Road“ und einer Tour, bei der Kerry Livgren und Dave Hope als Gäste auf die Bühne kamen. Von den sechs Gründungsmitgliedern sind nur noch Rich Williams (Gitarre) und Phil Ehart (Schlagzeug) an Bord, den Bandmitgliedern der ersten Stunde, wobei Ehart nach einem Herzinfarkt Anfang 2024 nicht mehr live spielt und Williams seit 2025 kürzertritt. Die aktuelle Besetzung mit Tom Brislin (Keyboards), Zak Rizvi und Scott Bernard (Gitarre), Joe Deninzon (Geige) und Dan McGowan (Bass) findest du in der Übersicht Kansas-Mitglieder.

Welche Stimme passt zu welcher Platte?

Für die drei Ären gilt eine einfache Regel, egal ob du die Musik neu entdeckst oder als Fan seit Jahrzehnten dabei bist. Suchst du den Kansas-Sound mit Geige, langen Instrumentalteilen und dem Tenor, der „Carry On Wayward Son“ trägt, bist du bei Walsh und den Alben von 1974 bis 1980 richtig, Leftoverture ist der klassische Einstieg. Magst du melodischen 80er-Rock mit sauber produzierten Refrains, lohnt sich Elefantes „Vinyl Confessions“. Willst du hören, wie die Band heute klingt, fang mit „The Prelude Implicit“ an: Platt singt dort ohne Nostalgie, aber mit erkennbarem Respekt vor dem, was Walsh vier Jahrzehnte lang gemacht hat. Eine Übersicht aller Alben mit Jahr und Format findest du in der Diskografie, eine Bestenliste unter die besten Kansas-Alben.

Häufige Fragen

Wer ist der Sänger von Kansas?

Seit 2014 Ronnie Platt. Von 1973 bis 1981 und von 1985 bis 2014 war es Steve Walsh, von 1981 bis 1984 John Elefante.

Wer singt Dust in the Wind?

Steve Walsh. Geschrieben hat den Song Kerry Livgren, Robby Steinhardt spielt Geige und Viola und singt im Hintergrund.

Warum hat Steve Walsh Kansas verlassen?

1981 wegen kreativer Differenzen über die christlich geprägten Texte von Kerry Livgren, 2014 nach 41 Jahren aus eigenem Entschluss; er nannte seine nachlassende Stimme.

Lebt Robby Steinhardt noch?

Nein. Der Geiger und Co-Sänger von Kansas starb am 17. Juli 2021 in Tampa, Florida, im Alter von 71 Jahren.

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