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Kansas · 1976 · Kirshner · 8 Tracks

Leftoverture (1976)

Der kommerzielle Durchbruch von 1976. Mit „Carry On Wayward Son“ (geschrieben von Kerry Livgren, gesungen von Steve Walsh) landete die Band ihren ersten großen Hit. Bis heute das meistempfohlene Einsteiger-Album. Acht Titel, US-Platz 5, mehrfach Platin. Hier findest du Tracklist, Besetzung, Charts und alle Editionen, dazu Walshs Anteil am Album.

Lead-Gesang: Steve Walsh und Robby Steinhardt · Aufnahme: Studio in the Country, Bogalusa (Louisiana), Dezember 1975 bis August 1976; Produzenten Jeff Glixman und Kansas

Entstehung: Studio in the Country und Livgrens Schreibschub

Nach drei Alben ohne Hit stand Kansas 1976 bei Don Kirshners Label unter Zugzwang. Die Aufnahmen zu Leftoverture liefen von Dezember 1975 bis August 1976 im Studio in the Country in Bogalusa, Louisiana, einem Studio mitten im Sumpf, in dem laut Livgren Alligatoren, Moskitos und Gürteltiere zum Alltag gehörten. Produziert haben Jeff Glixman und die Band selbst, Toningenieur war Bill Evans, das Mastering übernahm George Marino bei Sterling Sound in New York City.

Die Songs stammen fast alle von Kerry Livgren. Steve Walsh hatte vor den Sessions eine Schreibblockade und steuerte nur drei Co-Autorschaften bei, Livgren füllte die Lücke und schrieb in kurzer Zeit den Großteil des Albums. „Carry On Wayward Son“ entstand als letztes Stück, Livgren stellte es der Band erst nach dem Ende der Proben vor, als Fortsetzung von „The Pinnacle“ vom Vorgänger Masque. Der Titel Leftoverture ist ein Kofferwort aus „leftover“ und „overture“, das Cover mit dem alten Mann im Mantel malte Dave McMacken.

Die Songs auf Leftoverture

Acht Titel, knapp 44 Minuten, und keine Sekunde Füllmaterial. Das Album verbindet Hymnen mit Suiten, Violine mit Hammondorgel, und lässt am Ende ein sechsteiliges Instrumental los.

Carry On Wayward Son

Der Opener wurde zum ersten großen Hit der Band: Platz 11 der US-Charts im April 1977, Platz 5 in Kanada, Platz 51 in Großbritannien. Der A-cappella-Einstieg, das Gitarrenriff und Walshs Leadgesang machen den Song bis heute zum Standard im Classic Rock. Warum der Song trotz seines Erfolgs beinahe nicht auf dem Album gelandet wäre, liest du unter Carry On Wayward Son.

The Wall und What's on My Mind

„The Wall“ von Livgren und Walsh ist die große Ballade des Albums, getragen von Klavier und Orgel, das Walsh in seiner besten Lage singt. „What's on My Mind“ ist dagegen kompakter Rock, als zweite Single im Mai 1977 ausgekoppelt, ohne Chartplatzierung.

Miracles Out of Nowhere und Opus Insert

„Miracles Out of Nowhere“ singt Robby Steinhardt, die Geige führt durch die Strophen, bevor die ganze Band im Refrain einsteigt. Der Song gab später der Banddokumentation von 2015 ihren Namen. „Opus Insert“ eröffnet die zweite LP-Seite mit einem Klavierthema von Livgren und einer der schönsten Gesangsmelodien, die Walsh je bekommen hat.

Questions of My Childhood und Cheyenne Anthem

„Questions of My Childhood“ ist eine der drei Kompositionen mit Walsh als Co-Autor, ein schneller Rocker mit Orgel und Gitarren im Wechsel. „Cheyenne Anthem“ handelt von den Cheyenne der Great Plains, Steinhardt singt den Lead, die Kinderstimmen von Toye LaRocca und Cheryl Norman geben dem Mittelteil eine zweite Ebene.

Magnum Opus

Das Finale ist ein sechsteiliges Instrumental, an dem alle sechs Bandmitglieder als Autoren beteiligt sind. Die Sätze tragen Titel wie „Father Padilla Meets the Perfect Gnat“, „Howling at the Moon“, „Industry on Parade“ und „Release the Beavers“, und über achteinhalb Minuten wechseln sich Unisono-Riffs, Taktwechsel und Soli von Violine, Keyboards und Gitarren ab. Für Prog-Fans ist das Stück der Grund, warum Leftoverture mehr ist als das Album mit dem Hit.

Steve Walshs Rolle auf Leftoverture

Walsh singt auf sechs der acht Titel die Leadstimme, „Magnum Opus“ teilt er sich mit Steinhardt, „Miracles Out of Nowhere“ und „Cheyenne Anthem“ singt Steinhardt. An den Keyboards spielt er Hammondorgel, Piano, Synthesizer und Vibraphon, dazu Congas. Als Autor ist er bei „The Wall“, „Questions of My Childhood“ und „Magnum Opus“ beteiligt. Dass Livgren die übrigen Kompositionen allein schrieb, hat der Zusammenarbeit nicht geschadet: Auf dem Nachfolger Point of Know Return teilen sich die beiden das Songwriting wieder gleichberechtigt. Wie diese Partnerschaft funktionierte, steht im Profil von Kerry Livgren.

Rezeption, Charts und Durchbruch

Leftoverture erschien am 21. Oktober 1976 bei Kirshner, in Europa und Japan bei Epic. Das Album stieg bis auf Platz 5 der Billboard 200 und hielt sich 42 Wochen in den US-Charts, in Kanada erreichte es Platz 2, in Deutschland blieb es ohne Platzierung. In den US-Jahrescharts 1977 stand es auf Platz 17. Die RIAA zeichnete es mit Platin aus, die Zählung schwankt je nach Quelle zwischen vierfach und fünffach Platin, Music Canada vergab 1978 Platin. Der kommerzielle Durchbruch machte Kansas vom Support-Act zur Headliner-Band in den Arenen der USA.

Editionen: LP, CD-Remaster 2001 und Leftoverture Live & Beyond

Die Original-LP von 1976 ist auf dem Gebrauchtmarkt leicht zu finden, gesuchter sind saubere Erstpressungen mit dem Gatefold. 2001 legte Legacy das Album remastert auf CD neu auf, produziert von Jeff Magid, mit zwei Live-Bonustracks: „Carry On Wayward Son“ vom Pine Knob Music Theatre 1978 und „Cheyenne Anthem“ aus dem Palladium in New York City 1977. Sony Music Entertainment hält die Rechte bis heute, daher tauchen die Songs in Boxen wie „Original Album Classics“ auf. Seit den 2010er-Jahren gibt es mehrere Vinyl-Reissues, darunter 180-Gramm-Pressungen aus den USA und Kanada und farbige Varianten. Davon zu unterscheiden ist „Leftoverture Live & Beyond“ von 2017, ein Live-Mitschnitt der Jubiläumstournee, auf der die Band das Album komplett spielte, allerdings mit Ronnie Platt am Mikrofon, nicht mit Walsh. Welche Pressung sich lohnt, erklärt Kansas auf Vinyl.

Warum Leftoverture das Einstiegsalbum ist

Wer Kansas kennenlernen will, fängt hier an. Das Album hat den bekanntesten Song der Band, es hat mit „The Wall“ und „Miracles Out of Nowhere“ zwei Stücke, die seit Jahrzehnten zum Live-Programm gehören, und es hat mit „Magnum Opus“ den Beweis, dass die sechs Musiker aus Topeka mit den britischen Progressive-Rock-Bands mithalten konnten. Für Walsh-Fans ist es das Album, auf dem seine Stimme zum ersten Mal einem Millionenpublikum begegnete. Alle weiteren Stationen der Band findest du unter Kansas, die vollständige Werkschau in der Diskografie.

Tracklist von Leftoverture

Nr. Titel Länge Autor(en) Lead-Gesang
1 Carry On Wayward Son 5:23 Livgren Walsh
2 The Wall 4:51 Livgren, Walsh Walsh
3 What’s on My Mind 3:28 Livgren Walsh
4 Miracles Out of Nowhere 6:28 Livgren Steinhardt
5 Opus Insert 4:30 Livgren Walsh
6 Questions of My Childhood 3:40 Walsh, Livgren Walsh
7 Cheyenne Anthem 6:55 Livgren Steinhardt
8 Magnum Opus 8:25 Livgren, Walsh, Williams, Hope, Ehart, Steinhardt Walsh, Steinhardt

Besetzung

  • Steve Walsh: Gesang, Orgel, Piano, Synthesizer, Vibraphon, Congas
  • Robby Steinhardt: Violine, Viola, Lead- und Backing-Gesang
  • Kerry Livgren: Gitarren, Piano, Clavinet, Moog, Oberheim, ARP
  • Rich Williams: E- und Akustikgitarre
  • Dave Hope: Bass
  • Phil Ehart: Schlagzeug, Percussion
  • Gäste: Toye LaRocca, Cheryl Norman (Kinderstimmen auf „Cheyenne Anthem“)

Charts und Auszeichnungen

  • US Billboard 200: Platz 5 (42 Wochen), Jahrescharts 1977 Platz 17
  • Deutschland: keine Platzierung
  • Kanada: Platz 2
  • Auszeichnungen: RIAA mehrfach Platin (Wikipedia nennt 4x und 5x), Music Canada Platin (1978); „Carry On Wayward Son“ RIAA 4x Platin (2019), BVMI Gold

Walshs Anteil an Leftoverture

Walsh singt sechs der acht Titel, „Magnum Opus“ im Duett mit Steinhardt. Als Autor ist er an „The Wall“, „Questions of My Childhood“ und „Magnum Opus“ beteiligt; wegen einer Schreibblockade vor den Sessions stammt der Rest von Livgren. An den Keyboards spielt er Hammondorgel, Piano, Synthesizer und Vibraphon.

Häufige Fragen zu Leftoverture

Wer singt Carry On Wayward Son?

Steve Walsh singt die Leadstimme, die mehrstimmige A-cappella-Eröffnung übernehmen Walsh, Robby Steinhardt und weitere Bandmitglieder gemeinsam. Geschrieben hat den Song Kerry Livgren allein.

Was bedeutet der Titel Leftoverture?

Der Titel ist ein Kofferwort aus „leftover“ (Überbleibsel) und „overture“ (Ouvertüre). Er spielt darauf an, dass die Band das Album aus Material zusammensetzte, das Livgren kurz vor den Aufnahmen schrieb.

Welche Version von Leftoverture sollte ich kaufen?

Für den Einstieg die CD-Ausgabe von 2001 mit Remaster und zwei Live-Bonustracks. Auf Vinyl lohnt eine 180-Gramm-Pressung, für Sammler die Original-LP von 1976. „Leftoverture Live & Beyond“ ist ein Live-Album von 2017 ohne Walsh.

Wie erfolgreich war Leftoverture?

Platz 5 der Billboard 200, 42 Wochen in den US-Charts, Platz 2 in Kanada und mehrfach Platin in den USA. „Carry On Wayward Son“ erreichte Platz 11 der US-Single-Charts.

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