Steve Walsh: Biografie
Der Sänger und Keyboarder von Kansas: von St. Joseph über White Clover bis zum Abschied 2014.
Kerry Livgren schrieb „Carry On Wayward Son“ und „Dust in the Wind“, Steve Walsh sang sie. Wie das Spannungsfeld zwischen Komponist und Sänger Kansas prägte, warum Livgren 1983 ging und wie beide für „Somewhere to Elsewhere“ zurückfanden.
Kerry Livgren, geboren am 18. September 1949 in Topeka, Kansas, ist der Gitarrist, Keyboarder und Hauptsongwriter der klassischen Kansas-Ära. Er schrieb die beiden größten Hits der Band, „Carry On Wayward Son“ und „Dust in the Wind“, und Steve Walsh gab ihnen seine Stimme. Diese Arbeitsteilung, Livgren als Komponist und Walsh als Sänger, machte Kansas groß und war zugleich die Sollbruchstelle der Band. Hier liest du, wie Livgren zum Songwriter wurde, warum seine religiöse Wende 1979 zum Ausstieg von Walsh führte, was er mit AD und Proto-Kaw machte und wie die beiden im Jahr 2000 noch einmal zusammenfanden.
Livgren spielte schon in der High School in Bands, darunter The Gimlets und Saratoga, bevor er 1970 mit Phil Ehart und Dave Hope die erste Formation namens Kansas gründete. Diese frühe Gruppe, heute als Proto-Kaw bekannt, verband Rock mit Jazz-Einflüssen und Bläsern, fand aber kein Label. Parallel existierte in Topeka die Band White Clover, in der Steve Walsh sang. 1973 gingen beide Lager zusammen: White Clover holte Livgren als Gitarristen und Songwriter dazu und nannte sich in Kansas um. Don Kirshner nahm die Band unter Vertrag, 1974 erschien das Debüt.
Damit war die Konstellation geboren, die den Sound der nächsten acht Jahre bestimmen sollte: Livgren lieferte die Songs, oft lange Stücke mit wechselnden Taktarten und philosophischen Texten, Walsh sang sie mit seinem hohen Tenor, und Robby Steinhardts Violine gab dem Ganzen die zweite Melodiestimme.
Die ersten drei Alben verkauften sich ordentlich, aber der Durchbruch kam erst mit „Leftoverture“ (1976). Livgren schrieb „Carry On Wayward Son“ als letztes Stück für das Album, quasi in letzter Minute. Die Single erreichte Platz 11 der Billboard Hot 100 und ist bis heute das Erkennungszeichen der Band. Walshs Gesang im Refrain und Livgrens Gitarrenriff sind seither untrennbar.
„Dust in the Wind“ entstand 1977 für „Point of Know Return“ aus einer Fingerpicking-Übung auf der Akustikgitarre. Livgrens Frau ermutigte ihn, aus der Übung einen Song zu machen. Das Ergebnis, ein leises Stück über Vergänglichkeit, wurde mit Platz 6 der Hot 100 zum größten Hit der Bandgeschichte. Wieder sang Walsh, und wieder war es Livgren, der die Worte gefunden hatte. Genau dieses Muster erklärt, warum die Öffentlichkeit die Stimme mit Kansas gleichsetzt, während der Komponist im Hintergrund blieb.
Anfang 1979 beschäftigte sich Livgren intensiv mit dem Urantia-Buch, einer spirituellen Schrift, deren Ideen sich auf „Monolith“ (1979) niederschlugen. Auf der Tour zu diesem Album diskutierte er mit Jeff Pollard, dem Sänger der Vorband Le Roux, über die Bibel. Diese Gespräche führten laut Wikipedia zu einer Bekehrung zum evangelikalen Christentum in einem Hotelzimmer. Von da an wurden Livgrens Texte religiöser, und Bassist Dave Hope folgte ihm auf diesem Weg.
Für Steve Walsh war das ein Problem. Er wollte die Songs, die Livgren nun schrieb, nicht singen, und nach „Audio-Visions“ (1980) verließ er die Band im Oktober 1981. Offiziell war von kreativen Differenzen über die textliche Ausrichtung die Rede. Kansas holte John Elefante als neuen Sänger und Keyboarder und nahm mit ihm „Vinyl Confessions“ (1982) auf.
Ein Detail zeigt, dass der Konflikt zwischen beiden nie persönlich war: Bereits 1980, noch vor dem Bruch, nahm Livgren sein erstes Soloalbum „Seeds of Change“ auf, und Steve Walsh sang darauf die Leadstimme von „How Can You Live?“. Phil Ehart und Robby Steinhardt spielten ebenfalls mit. Für die düsteren Stücke „To Live for the King“ und „Mask of the Great Deceiver“ holte Livgren Ronnie James Dio ans Mikrofon, dazu kamen David Pack von Ambrosia und Mylon LeFevre. Das Album ist die Brücke zwischen dem Kansas der 70er und Livgrens christlich geprägter Solophase.
Auf „Drastic Measures“ (1983) steuerte Livgren nur noch drei Songs bei, darunter „Mainstream“, in dem er den Druck der Plattenindustrie und den Kurs der Band offen kritisierte. Den Rest schrieb John Elefante. Kurz nach der Veröffentlichung verließ Livgren Kansas, Ende 1983 löste sich die Band vorerst auf.
Mit Dave Hope und dem Sänger Michael Gleason gründete Livgren die Band AD, die zwischen 1984 und 1986 die Alben „Time Line“, „Art of the State“ und „Reconstructions“ veröffentlichte und mal in Clubs, mal in Kirchen auftrat. 1988 folgte „Prime Mover“, das letzte Album unter dem AD-Banner. Ab den 90ern erschienen seine Aufnahmen auf dem eigenen Label Numavox Records, darunter „When Things Get Electric“ (1994) und „Prime Mover II“ (1998).
1985 hatten sich Walsh, Ehart und Rich Williams ohne Livgren neu formiert. 1990 und 1991 stand Livgren für einige Konzerte wieder mit Walsh auf der Bühne, aber das eigentliche Wiedersehen kam im Jahr 2000. Für „Somewhere to Elsewhere“ schrieb Livgren sämtliche Stücke und nahm sie in seinem eigenen GrandyZine Studio in Kansas auf. Fast die gesamte Originalbesetzung war dabei: Walsh am Gesang, Steinhardt an der Violine, Hope am Bass, dazu Ehart, Williams und Billy Greer. Es war das einzige Kansas-Album, auf dem Walsh nach 1980 wieder Livgren-Songs sang, und es zeigte, dass die beiden einander musikalisch weiter brauchten.
2003 belebte Livgren seine Vor-Kansas-Band Proto-Kaw wieder. „Before Became After“ (2004) und „The Wait of Glory“ (2006) erschienen bei Inside Out Records, „Forth“ folgte 2011. Am 1. September 2009 erlitt Livgren einen schweren Schlaganfall, von dem er sich nur teilweise erholte. Seither tritt er kaum noch auf.
Umso bemerkenswerter waren seine Gastauftritte bei der 50-Jahre-Tour von Kansas: Am 27. Juli 2023 stand er in Kansas City mit Dave Hope für „Hold On“ und „Carry On Wayward Son“ auf der Bühne, am 4. Oktober 2024 noch einmal in Topeka. Am Mikrofon stand dabei nicht mehr Steve Walsh, sondern Ronnie Platt, der die Songs des Komponisten seit 2014 singt. Für Fans war es ein Kreis, der sich schloss: der Mann, der die Lieder schrieb, neben der Stimme, die sie heute trägt.



Ja. Kerry Livgren schrieb „Dust in the Wind“ allein, ursprünglich als Fingerpicking-Übung auf der Akustikgitarre. Der Song erschien 1977 auf „Point of Know Return“, erreichte Platz 6 der Billboard Hot 100 und wurde von Steve Walsh gesungen.
Nach seiner Hinwendung zum Christentum 1979 wurden Livgrens Texte zunehmend religiös. Das führte 1981 zum Ausstieg von Steve Walsh und zu Spannungen mit Label und Band. Kurz nach dem Album „Drastic Measures“ 1983 verließ Livgren Kansas und gründete die Band AD.
Nein. Livgren ist seit 1983 kein festes Mitglied mehr, schrieb aber das Reunion-Album „Somewhere to Elsewhere“ (2000) komplett und stand 2023 und 2024 bei der 50-Jahre-Tour als Gast für „Carry On Wayward Son“ mit der Band auf der Bühne. 2009 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich teilweise erholte.
Der Sänger und Keyboarder von Kansas: von St. Joseph über White Clover bis zum Abschied 2014.
Bandgeschichte, Walshs Rolle und alle Studioalben, auf denen er singt.
Walsh, Elefante und Platt im Vergleich: wer wann sang und was die Stimmen unterscheidet.
Robby Steinhardt war Gründungsmitglied, Rock-Geiger und zweite Leadstimme von Kansas neben Steve Walsh. Sein Weg von White Clover bis zum posthumen Soloalbum, sein Tod 2021 und was seine Stimme für die Band bedeutete.
John Elefante sang bei Kansas zwischen den beiden Walsh-Ären: „Vinyl Confessions“ und „Drastic Measures“ brachten die höchsten Rock-Radio-Platzierungen der Bandgeschichte. Sein Weg über die Audition gegen Sammy Hagar, den Ausstieg 1984, die Produzentenkarriere mit Bruder Dino und die Absage an Kansas 2014.
Ronnie Platt ist seit 2014 Sänger und Keyboarder von Kansas und damit der Nachfolger von Steve Walsh. Vom Lkw-Fahrer und Coverband-Sänger aus Chicago über Shooting Star zur Facebook-Nachricht an Rich Williams, die Alben „The Prelude Implicit“ und „The Absence of Presence“ und seine Krebserkrankung 2025.