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Steve Walsh in den 80ern: Ausstieg, Streets und die Rückkehr zu Kansas

1981 verließ Steve Walsh Kansas wegen Livgrens christlicher Texte, gründete Streets und kehrte 1985 zurück: Power, Steve Morse, In the Spirit of Things.

Warum verließ Steve Walsh Kansas 1981?

Steve Walsh stieg im Oktober 1981 bei Kansas aus, weil er die textliche Richtung nicht mittragen wollte, die Kerry Livgren der Band vorgab. Livgren war während der Tour zu Monolith 1979 zum evangelikalen Christentum gekommen, Bassist Dave Hope folgte ihm. Auf Audio-Visions vom September 1980 war das bereits hörbar: Die Single „Hold On“ schrieb Livgren als Appell an seine Frau, den Glauben anzunehmen. Offiziell hieß die Begründung „kreative Differenzen über die textliche Ausrichtung des nächsten Albums“.

Die Spannungen hatten sich schon vorher aufgebaut. „No One Together“ war ursprünglich für „Monolith“ gedacht, blieb aber wegen eines Streits zwischen Walsh und Livgren über die Songauswahl liegen und erschien erst auf „Audio-Visions“. Das Album kam auf Platz 26 der Billboard 200 und erhielt im Dezember 1980 Gold, „Hold On“ erreichte Platz 40 der Hot 100. Es war das letzte Album der Originalbesetzung, bis sie sich 2000 für Somewhere to Elsewhere noch einmal zusammenfand.

Was hatte Walsh vor dem Ausstieg schon nebenbei gemacht?

Noch vor dem Bruch hatte Walsh ein Soloalbum vorgelegt. Schemer-Dreamer erschien am 26. Januar 1980 bei Kirshner/CBS und kam auf Platz 124 der Billboard 200. Aufgenommen wurde in drei Studios in Georgia, darunter Axis Sound in Atlanta, wo Kansas kurz darauf „Audio-Visions“ einspielte. Walsh produzierte selbst, zusammen mit Brad Aaron und Davey Moiré.

Interessant ist die Gästeliste: Livgren spielte auf einem Stück Gitarre, Phil Ehart Schlagzeug, Rich Williams Gitarre, und ein gewisser Steve Morse war ebenfalls dabei. Der Gitarrist der Dixie Dregs sollte sechs Jahre später Kansas-Mitglied werden. Das Album zeigt, in welche Richtung Walsh wollte: lauter, direkter, weniger verschachtelt als die Kansas-Platten. Die Diskografie seiner Soloalben findest du auf der Seite Solo und Streets.

Wer sang bei Kansas in der Zwischenzeit?

Kansas suchte Ende 1981 einen Nachfolger, der wie Walsh singen, Keyboard spielen und Songs schreiben konnte. Aus über 200 Bewerbern wurde Anfang 1982 John Elefante ausgewählt. Mit ihm entstanden „Vinyl Confessions“ (Mai 1982, Platz 16) und „Drastic Measures“ (Juli 1983), auf dem Livgren nur noch drei Stücke beisteuerte und Robby Steinhardt schon nicht mehr dabei war. Nach einem Silvesterkonzert am 31. Dezember 1983 verließen Livgren und Hope die Band, um AD zu gründen.

Elefante, Ehart und Williams nahmen 1984 noch „Perfect Lover“ für die Compilation „The Best of Kansas“ auf, dann löste sich die Gruppe auf. Was Elefante stimmlich von Walsh unterscheidet und was aus ihm wurde, liest du im Profil von John Elefante und im Artikel über die drei Stimmen von Kansas.

Was machte Walsh mit Streets?

Walsh ging nach Atlanta und gründete 1982 die Band Streets mit Gitarrist Mike Slamer (zuvor City Boy), Bassist Billy Greer und Schlagzeuger Tim Gehrt. Ihr erster Auftritt war im Januar 1983 bei Charlie Daniels’ Volunteer Jam, vier Songs auf geliehenem Equipment. Das Debüt „1st“ erschien im Oktober 1983 bei Atlantic, produziert von Neil Kernon, und kam auf Platz 166 der Billboard 200. Die Single „If Love Should Go“ lief besser im Radio als in den Läden: Platz 6 der Mainstream-Rock-Charts, Platz 87 der Hot 100.

Der Nachfolger Crimes in Mind folgte im März 1985, produziert von Beau Hill. Kommerziell reichte es nur für Platz 204, und die Band löste sich kurz danach auf. Für Walsh war Streets trotzdem mehr als ein Umweg. Er hatte hier den Bassisten kennengelernt, der Kansas bis heute begleitet. Die ganze Geschichte der Band steht im Artikel Streets: die vergessene Band.

Wie kam es 1985 zur Rückkehr?

Im Juli 1985 fanden Phil Ehart, Rich Williams und Steve Walsh wieder zusammen, ohne Livgren, Hope und Steinhardt. Anstelle der drei kamen Billy Greer von Streets am Bass und Steve Morse an der Gitarre. Morse brachte eine härtere, technisch geprägte Spielweise mit, die den Sound der Band deutlich veränderte. Die neue Formation unterschrieb bei MCA, dem ersten Labelwechsel der Bandgeschichte.

Power erschien am 28. Oktober 1986. Aufgenommen wurde im Studio The Castle in Franklin, Tennessee, die Orchesterparts entstanden in den Abbey Road Studios in London. Produziert haben Andrew Powell und Phil Ehart. Morse und Walsh schrieben die meisten Stücke, unterstützt von Randy Goodrum und Greer. Das Album erreichte Platz 35 der Billboard 200 und verkaufte sich rund 400.000 Mal.

War „All I Wanted“ wirklich der letzte Hit?

Ja, „All I Wanted“ war die letzte Kansas-Single in den Top 40 der Billboard Hot 100. Sie kam auf Platz 19 und schaffte es in die Top 10 der Album-Rock-Charts. Walsh hatte das Stück mitgeschrieben, wie schon den Titelsong von Point of Know Return. Zwei weitere Singles folgten, „Power“ im Februar 1987 und „Can’t Cry Anymore“ im April 1987, ohne diesen Erfolg zu wiederholen.

Die Kritik war geteilt. AllMusic hörte mehr Hard Rock und Pop als Prog, das britische Kerrang! fand den Sound veraltet. Für die Band war die Platte trotzdem der Beweis, dass sie ohne ihren Hauptkomponisten Livgren funktionieren konnte. Am 31. Januar 1987 kam Greg Robert als zweiter Keyboarder dazu, damit Walsh sich auf der Bühne stärker auf den Gesang konzentrieren konnte.

JahrEreignisAlbum / Chartposition
1979Livgren wird während der Monolith-Tour Christ„Monolith“, Platz 10
1980Walshs Soloalbum, dann letztes Album der Originalbesetzung„Schemer-Dreamer“ Platz 124, „Audio-Visions“ Platz 26
1981Walsh steigt im Oktober aus
1982Elefante wird Sänger, Walsh gründet Streets in Atlanta„Vinyl Confessions“, Platz 16
1983Streets-Debüt, Kansas löst sich nach Silvester auf„1st“ Platz 166, „Drastic Measures“ Platz 41
1985Streets-Ende, Reunion im Juli mit Morse und Greer„Crimes in Mind“, Platz 204
1986Kansas kehrt bei MCA zurück„Power“ Platz 35, „All I Wanted“ Platz 19
1988Konzeptalbum mit Bob Ezrin„In the Spirit of Things“, Platz 114

Was steckt hinter „In the Spirit of Things“?

In the Spirit of Things erschien am 25. Oktober 1988 und ist ein loses Konzeptalbum über die Flut von 1951, die den Ort Neosho Falls in Kansas zerstörte. Rich Williams war auf die Geschichte in einem Buch über Geisterstädte des Bundesstaats gestoßen. Produziert haben Bob Ezrin, bekannt für Pink Floyds „The Wall“, zusammen mit Greg Ladanyi und Phil Ehart. Aufgenommen wurde in Atlanta, Los Angeles und Hollywood.

Die Band arbeitete mit externen Songschreibern wie Marc Jordan, Bruce Gaitsch und Dann Huff, und auf einigen Stücken singt ein Gospelchor. Bei den Fans kam das Album gut an, im Radio kaum: Platz 114 der Billboard 200, die Single „Stand Beside Me“ lief vor allem als Video auf MTV und war die letzte Kansas-Single, die in irgendeiner Chartliste auftauchte. Im April 1989 verließ Steve Morse die Band vorerst.

Was bedeutete das Jahrzehnt für Walsh?

Die 80er zeigen Walsh zwischen Trotz und Rückkehr. Er verließ eine Band auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, weil er Texte nicht singen wollte, die nicht seine waren. Er baute mit Streets eine eigene Gruppe auf, die im Radio Erfolg hatte, aber nicht an den Ladenkassen. Und er kehrte 1985 zu einer Band zurück, die ohne Livgren, Hope und Steinhardt eine andere war als die, die er verlassen hatte.

Diesmal blieb er 29 Jahre. Die Reunion von 1985 war das Fundament für alles, was danach kam: die 90er mit „Live at the Whisky“ und „Freaks of Nature“, die Wiedervereinigung der Originalbesetzung für „Somewhere to Elsewhere“ und die langen Tourjahre bis 2014. Wie dieses zweite Kapitel endete, liest du im Artikel Warum Walsh 2014 aufhörte. Alle Alben mit Jahr und Besetzung stehen in der Diskografie.

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