Inoffizielles Fan-Portal · Diskografie, Geschichte und Sammler-Tipps rund um die Stimme von Kansas

Streets: Steve Walshs vergessene AOR-Band der 80er

Streets war Steve Walshs Band zwischen den Kansas-Phasen: zwei Atlantic-Alben 1983 und 1985, ein Radiohit, ein Livemitschnitt und Reissues für Sammler.

Wer spielte bei Streets?

Streets war die Band, die Steve Walsh 1982 in Atlanta gründete, nachdem er Kansas im Oktober 1981 verlassen hatte. Die Besetzung blieb über beide Alben gleich: Walsh am Gesang und an den Keyboards, Mike Slamer an der Gitarre, Billy Greer am Bass und Tim Gehrt am Schlagzeug. Slamer kam von der britischen Band City Boy, Greer und Gehrt waren Musiker aus dem Südosten der USA, die Walsh vor Ort fand.

Die Band debütierte im Januar 1983 bei Charlie Daniels’ Volunteer Jam, einem großen Festival in Tennessee, mit vier Songs auf geliehenem Equipment. Walsh sagte damals sinngemäß, sie seien rausgegangen und hätten bewiesen, dass sie spielen können. Für ihn ging es um mehr als einen Neustart: Er wollte zeigen, dass er ohne Kerry Livgrens Songs und ohne den Kansas-Namen bestehen konnte. Den Hintergrund des Ausstiegs liest du im Artikel über Steve Walsh in den 80ern.

Wie klingt das Debüt „1st“ von 1983?

1st erschien im Oktober 1983 bei Atlantic Records und wurde von Neil Kernon produziert, der kurz zuvor mit Hall & Oates gearbeitet hatte. Aufgenommen wurde in den Axis Studios in Georgia, die Overdubs entstanden in den Electric Lady Studios in New York. Neun Stücke, knapp 38 Minuten, das meiste von Walsh geschrieben, einige gemeinsam mit Slamer und Greer. AllMusic vergab später dreieinhalb von fünf Sternen.

Der Sound ist geradliniger Melodic Rock, wie ihn US-Radiosender Anfang der 80er spielten: kompakte Songs, große Refrains, Gitarre und Keyboards gleichberechtigt. Von den langen Instrumentalteilen der Kansas-Platten ist nichts geblieben, dafür steht Walshs Stimme vorn wie nie zuvor. Wer nur „Carry On Wayward Son“ kennt, hört hier denselben Tenor in einem anderen Rahmen.

War „If Love Should Go“ ein Hit?

Im Radio ja, im Laden nur bedingt. Die Single „If Love Should Go“ kam im Januar 1984 auf Platz 6 der Billboard-Mainstream-Rock-Charts und hielt sich dort zwölf Wochen. In den Hot 100, die auch Verkäufe zählen, reichte es für Platz 87. Das Album selbst stieg bis auf Platz 166 der Billboard 200 und blieb elf Wochen in der Liste. Für eine neue Band ohne Hit-Vorgeschichte war das ordentlich, für einen Sänger, der gerade Alben mit Vierfach-Platin hinter sich hatte, ernüchternd.

Am 28. Oktober 1983 schnitt der Radiosender King Biscuit Flower Hour ein Konzert in der Entertainment City in Pittsburgh mit. Der Mitschnitt erschien erst 1997 unter dem Titel „King Biscuit Flower Hour Presents Streets“ und ist heute das einzige offizielle Livedokument der Band. Zwölf Stücke sind darauf, darunter drei, die auf keinem Studioalbum standen: „Shake Down“, „I’m Not Alone Anymore“ und „Streets of Desire“.

Was macht „Crimes in Mind“ zum Kultalbum?

Crimes in Mind wurde 1984 aufgenommen und erschien im März 1985, wieder bei Atlantic. Produzent war Beau Hill, der im selben Jahr mit Ratt und später mit Warrant und Winger die glatte Hard-Rock-Produktion der späten 80er prägte. Die zehn Stücke stammen überwiegend von Slamer und Walsh, bei mehreren half Randy Goodrum mit, der auch für Kansas’ „Power“ schrieb. „I Can’t Wait“ ist eine reine Walsh-Komposition, auf einem Stück übernahm Billy Greer den Leadgesang.

Kommerziell war das Album ein Flop, es kam nicht über Platz 204 hinaus, und Streets lösten sich bald danach auf. Gerade deshalb genießt es unter Sammlern von AOR und Melodic Rock heute einen guten Ruf: eine sauber produzierte Platte aus der Blütezeit des Genres, die damals kaum jemand gehört hat. Mike Slamer nahm „The Nightmare Begins“ 1999 mit seiner Band Steelhouse Lane noch einmal auf.

VeröffentlichungJahrLabelProduzentCharts (USA)
1st1983AtlanticNeil KernonPlatz 166, Single „If Love Should Go“ Platz 87
Crimes in Mind1985AtlanticBeau HillPlatz 204
King Biscuit Flower Hour Presents Streets1997 (Mitschnitt 1983)King Biscuit Flower Hour Records

Warum ist Streets für die Kansas-Geschichte wichtig?

Weil die Band das Personal der zweiten Kansas-Phase lieferte. Als Phil Ehart, Rich Williams und Walsh im Juli 1985 die Reunion beschlossen, holten sie Billy Greer als Bassisten. Greer spielt bis heute bei Kansas und ist damit länger dabei als die meisten Originalmitglieder. Auf Power von 1986 schrieb er mit, und die direktere Ausrichtung des Albums wäre ohne die Streets-Jahre kaum denkbar gewesen.

Auch Slamer blieb in Walshs Umfeld. Er spielte Gitarre auf Walshs Soloalbum Glossolalia von 2000 und war mit Greer und Walsh am Projekt Khymera beteiligt. Streets war also keine Sackgasse, sondern ein Netzwerk, das drei Jahrzehnte gehalten hat. Mehr über den Zeitraum der Reunion und die Kansas-Sänger liest du im Artikel über die drei Stimmen von Kansas.

Wo bekommst du die Streets-Alben heute?

Beide Studioalben wurden in den 2010er-Jahren vom britischen Label Rock Candy Records remastert und mit ausführlichen Liner Notes auf CD neu aufgelegt. Diese Ausgaben sind die verlässlichste Wahl, weil sie vom Originalmaterial stammen und die Geschichte der Band dokumentieren. Ältere CD-Pressungen aus den 90ern und die Original-LPs von Atlantic tauchen gelegentlich gebraucht auf, sind aber nicht mehr regulär lieferbar.

Der King-Biscuit-Mitschnitt ist als CD von 1997 erhältlich, wird aber nicht mehr nachgepresst. Wenn du Walsh außerhalb von Kansas hören willst, ist „1st“ der beste Einstieg, „Crimes in Mind“ die Platte für den zweiten Durchgang. Eine Übersicht aller Solo- und Streets-Veröffentlichungen mit Bezugsquellen findest du auf der Seite Solo und Streets.

Passende Tonträger bei Amazon

Affiliate-Hinweis: Amazon-Links sind Werbelinks (Amazon-Partnerprogramm). Käufe darüber bringen uns eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. Dies ist ein inoffizielles Fan-Projekt ohne Verbindung zu Steve Walsh oder Kansas.