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Steve Walsh um das Jahr 2000: Comeback im Doppelpack mit Glossolalia und Somewhere to Elsewhere

2000 erschienen zwei Alben mit Steve Walsh: die Kansas-Reunion Somewhere to Elsewhere und das Solowerk Glossolalia. Was er damals in Interviews sagte.

Was passierte im Jahr 2000 mit Steve Walsh?

Zwei Alben innerhalb weniger Monate: Am 11. Juli 2000 erschien Somewhere to Elsewhere, das erste Kansas-Album mit allen sechs Originalmitgliedern seit „Audio-Visions“ von 1980, im Herbst folgte Glossolalia, Walshs zweites Soloalbum nach zwanzig Jahren Pause. Beide kamen in den USA bei Magna Carta Records heraus, einem kleinen Label für Progressive Rock, das Kansas-Album in Europa über SPV. Im Sommer 2000 spielte Kansas dazu als Vorgruppe von Yes auf deren „Masterworks“-Tour.

Für Walsh, damals 49, war das Jahr eine Zäsur. Er hatte seit 1986 wieder bei Kansas gesungen, die 90er mit „Live at the Whisky“, „Freaks of Nature“ und „Always Never the Same“ durchgearbeitet und lange kein eigenes Material veröffentlicht. Die beiden Platten zeigten, wohin er wollte und wohin nicht. Wie die Band in dieses Jahr kam, liest du auf der Seite über Kansas.

Wie entstand Somewhere to Elsewhere?

In Kerry Livgrens Studio, und ohne Walsh vor Ort. Das Album wurde 1999 in der GrandyZine Recording Co. in Berryton, Kansas, aufgenommen, produziert von Livgren, Phil Ehart und Rich Williams. Livgren schrieb alle elf Stücke und singt auf dem versteckten Schlusstitel „Geodesic Dome“ zum ersten und einzigen Mal die Leadstimme auf einer Kansas-Platte. Dave Hope spielte auf einigen Stücken Bass, Billy Greer auf den übrigen, Robby Steinhardt war mit Geige und Gesang dabei.

Walsh nahm seine Gesangsspuren im eigenen Studio bei Atlanta auf, während er parallel an „Glossolalia“ arbeitete. In einem Interview mit dem deutschen Journalisten Ralf Koch sagte er im Sommer 2000, er sei mit den anderen nie zusammen im Studio gewesen; er habe seine Gesangsparts auf CD gebrannt und zurückgeschickt. Das Album erreichte Platz 21 der Billboard-Independent-Charts und Platz 13 der Internet-Album-Charts, für ein Label dieser Größe ein Erfolg. Mehr zu Livgrens Rolle steht im Profil von Kerry Livgren.

Was hielt Walsh von der Reunion-Platte?

Er war zwiespältig, und er sagte das offen. Im selben Interview nannte er es fair, das Album ein Livgren-Soloalbum unter dem Namen Kansas zu nennen, weil Livgren alle Songs und Texte allein geschrieben habe. Über die Sentimentalität einiger Texte sei er ehrlich gesagt etwas verwirrt gewesen. Auf die Frage, ob er zufrieden sei, antwortete er, das könne er als Musiker und Künstler nie richtig sein mit dem, was er beendet habe.

Das ist bemerkenswert, weil die Platte bei Fans bis heute als würdiger Abschluss der Originalbesetzung gilt. Walsh sang sie mit der Stimme eines Mannes, der die Songs nicht geschrieben hatte und das auch nicht verbarg. Der Konflikt von 1981 über Livgrens Texte war nicht verschwunden, nur älter geworden. Wie er damals entstand, beschreibt der Artikel über Steve Walsh in den 80ern.

Wer spielte auf Glossolalia?

Musiker aus Walshs eigenem Umfeld und aus der Prog-Szene der 90er. Mike Slamer, sein Gitarrist aus Streets-Zeiten, Billy Greer am Bass, der australische Schlagzeuger Virgil Donati und Trent Gardner von Magellan an Keyboards und Posaune. Gardner produzierte das Album gemeinsam mit Walsh. Zehn Stücke sind darauf, vom Titelsong bis zum Neun-Minuten-Stück „Kansas“ und dem zehnminütigen „Smackin’ the Clowns“.

TitelLänge
Glossolalia5:20
Serious Wreckage6:01
Heart Attack4:18
Kansas9:00
Nothing3:08
Haunted Man5:35
Smackin’ the Clowns10:05
That’s What Love’s All About5:05
Mascara Tears7:05
Rebecca5:15

Die Kritik war positiv. The Daily Vault vergab im September 2000 ein A- und nannte die Platte eine kraftvolle, geschlossene Aussage, die man unabhängig von Kansas beurteilen solle. Stilistisch reicht sie von schweren, fast metallischen Gitarren im Titelstück über Funk in „Heart Attack“ bis zur Blues-Ballade „Mascara Tears“. Die Streets-Verbindung liest du im Artikel Streets: die vergessene Band.

Was sagte Walsh damals über sein Leben?

Knapp und ohne Beschönigung. Laut dem Interview mit Ralf Koch aus dem Jahr 2000 sprach Walsh über die Folgen jahrelangen Alkohol- und Drogenkonsums für sein Privatleben und seine Arbeit und sagte, er sei seit zweieinhalb Jahren clean und darauf stolz. Die Kansas-CD und die Solo-CD seien die ersten Alben, die er ohne Drogeneinfluss gemacht habe. Seine Stimme und seine körperliche Verfassung nannte er „top“, und er beschrieb sich als enthusiastischen Läufer.

In einem englischsprachigen Interview zur Veröffentlichung von „Glossolalia“ nannte er das Album eine Art Taufe und das Produkt eines Lebens, das sich in den vergangenen zwei Jahren dramatisch verändert habe. Mehr sagen wir dazu nicht, weil es Walshs Geschichte ist. Für das Hören ist nur eines wichtig: „Glossolalia“ ist die Platte, auf der er über genau diese Veränderung singt, und man hört es in jeder Zeile.

Was kam nach dem Doppel-Comeback?

Die Tournee mit Yes, dann der Alltag einer Band ohne Plattenvertrag bei einem Major. 2002 nahm Kansas am 15. Juni in Atlanta das Konzert für „Device Voice Drum“ auf, das im Oktober als DVD und CD erschien, mit Walsh, Williams, Greer, Ehart, David Ragsdale und Livgren als Gast. 2005 folgte Walshs drittes Soloalbum Shadowman bei Frontiers, 2009 das Orchesterkonzert „There’s Know Place Like Home“. Ein weiteres Kansas-Studioalbum mit Walsh entstand nicht.

Damit ist „Somewhere to Elsewhere“ bis heute das letzte Studioalbum, auf dem er für Kansas singt, und „Glossolalia“ das persönlichste seiner vier Soloalben. Wer beide hintereinander hört, versteht die nächsten 14 Jahre besser: Der Sänger, der 2014 aufhörte, hatte sein eigenes Kapitel im Jahr 2000 schon geschrieben. Warum er dann ging, liest du im Artikel Warum Walsh 2014 aufhörte. Alle Alben findest du in der Diskografie.

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