Am 16. August 2014 spielte Steve Walsh in Sioux City sein letztes Kansas-Konzert. Was Rich Williams über die Gründe sagte und was Walsh heute macht.
Wann und wie verließ Steve Walsh Kansas?
Am 30. Juni 2014 teilte Steve Walsh seinen Bandkollegen mit, dass er aufhört. Die Band machte das am 2. Juli 2014 öffentlich und nannte in derselben Mitteilung das Datum seines letzten Konzerts: den 16. August 2014 im Hard Rock Hotel & Casino in Sioux City, Iowa. In der Erklärung auf kansasband.com wünschte die Band ihm alles Gute und dankte ihm für 41 Jahre. Ein Statement von Walsh selbst enthielt die Mitteilung nicht.
Phil Ehart erzählte später, dass die Nachricht per E-Mail kam. Walsh habe geschrieben, diese Mail solle als Ankündigung seines Rückzugs gelten, und er wolle die geplanten Konzerte in Europa und einige Auftritte danach noch spielen. Der Abschied war damit kein Rauswurf und kein Streit, sondern eine Entscheidung, die sich über Jahre angekündigt hatte. Wie Walsh überhaupt zur Band kam, liest du auf der Seite über Kansas.
Was waren die Gründe?
Zwei Dinge, die zusammenhingen: die Stimme und die Freude an der Arbeit. Rich Williams sagte dem britischen Magazin Louder, Walsh habe seit Jahren mit seiner Stimme gekämpft, aber darüber hinaus habe es ihm einfach keinen Spaß mehr gemacht. Williams beschrieb ein Gespräch, in dem er Walsh direkt gesagt habe, dass er die Sache so sehr hasse, wie Williams sie liebe. Irgendwann habe Walsh geantwortet: „Ich habe genug.“
Ehart bestätigte die stimmlichen Probleme. Die Band habe versucht, Wege zu finden, damit es weiter funktioniert: Tonarten wurden tiefer gelegt, schwierige Stücke aus dem Programm genommen. Das war für einen Sänger, dessen Ruf auf den hohen Lagen von „Carry On Wayward Son“ beruhte, keine dauerhafte Lösung. Williams fasste es so zusammen: Man könne kein Album machen, wenn nicht jeder es wolle. Was Walsh in den 70ern stimmlich auszeichnete, beschreibt der Artikel über die drei Stimmen von Kansas.
Wie lief das letzte Konzert in Sioux City?
Unspektakulär, und genau so wollte Walsh es offenbar. Williams erinnerte sich, es sei nicht emotional gewesen: Die Band sei gemeinsam an den Bühnenrand gegangen und habe dem Publikum gewinkt, Walsh sei von der Bühne gegangen, in ein Auto gestiegen und weggefahren. Das war es. Kein Abschiedskonzert mit Gästen, keine Tournee unter dem Motto des Abschieds, nur ein Casino-Auftritt in Iowa.
Auf der Setlist stand alles, was Walsh 41 Jahre lang gesungen hatte, von „Point of Know Return“ bis „Dust in the Wind“. Wer diese Stimme noch einmal in ihrer späten Form hören will, findet sie auf dem Livealbum There’s Know Place Like Home von 2009, aufgenommen mit Orchester in Topeka, oder auf „Device Voice Drum“ von 2002.
| Datum | Ereignis |
|---|
| 30. Juni 2014 | Walsh informiert die Band per E-Mail über seinen Rückzug |
| 2. Juli 2014 | Kansas gibt den Abschied öffentlich bekannt |
| 4. Juli 2014 | John Elefante lehnt eine Rückkehr ab |
| 14. Juli 2014 | Ronnie Platt wird als neuer Sänger vorgestellt |
| 24. Juli 2014 | David Manion übernimmt die Keyboards als festes Mitglied |
| 16. August 2014 | Letztes Konzert mit Walsh, Sioux City, Iowa |
Wer übernahm nach Walsh?
Zwei Musiker statt einem. Am 14. Juli 2014 gab die Band Ronnie Platt als neuen Sänger und Keyboarder bekannt, einen Chicagoer, der zuvor bei Shooting Star gesungen hatte. Zehn Tage später kam David Manion dazu, seit Jahren Lichttechniker der Band, und übernahm die Hauptlast der Keyboards. Damit hatte Kansas zum ersten Mal seit dem Abschied von Greg Robert 1997 wieder einen festen Keyboarder, und Platt konnte sich auf den Gesang konzentrieren.
Das ist der eigentliche Unterschied zur Walsh-Ära: Die Doppelrolle, die Walsh seit White Clover ausgefüllt hatte, wurde aufgeteilt. Mit Platt entstanden 2016 „The Prelude Implicit“ und 2020 „The Absence of Presence“, die ersten Studioalben seit Somewhere to Elsewhere aus dem Jahr 2000. Mehr zu Platt steht im Profil von Ronnie Platt.
Was macht Steve Walsh heute (2026)?
Steve Walsh lebt zurückgezogen im Großraum Atlanta, Georgia, und ist seit dem Abschied von Kansas nicht mehr regelmäßig aufgetreten. Am 15. Juni 2026 wurde er 75 Jahre alt, und mehrere US-Radiosender und Fanseiten gratulierten öffentlich. Ein neues Album gibt es seit 2017 nicht, und es ist auch keines angekündigt. Kansas tourt weiter mit Ronnie Platt, ohne Walsh und ohne Pläne für eine Rückkehr.
Sein letztes Lebenszeichen als Musiker ist Black Butterfly, erschienen im November 2017 bei Escape Music. Nach eigener Aussage hatte Walsh nach dem Kansas-Abschied nicht vor, noch einmal aufzunehmen, bis das Label auf ihn zukam. Der Ursprung lag in einem Gastauftritt: 2015 sang er das Stück „The Piper“ auf dem Album „F4UR“ von Tommy Denanders Projekt Radioactive. Denander schrieb dann den Großteil der Songs für „Black Butterfly“ gemeinsam mit Walsh.
Gab es vor 2014 schon Anzeichen?
Ja, wer genau hinhörte, konnte sie über Jahre verfolgen. Nach Somewhere to Elsewhere im Jahr 2000 entstand kein Kansas-Studioalbum mehr mit Walsh, obwohl die Band durchgehend tourte. Die Veröffentlichungen dieser 14 Jahre waren Livemitschnitte: „Device Voice Drum“ 2002 und „There’s Know Place Like Home“ 2009. Williams’ Satz, man könne kein Album machen, wenn nicht jeder es wolle, bezog sich genau darauf.
Dazu kam die Setlist-Pflege, von der Ehart sprach: tiefere Tonarten, gestrichene Stücke. Für das Publikum war das kaum zu merken, für einen Sänger, der in den 70ern die Originaltonarten von Two for the Show gesungen hatte, dagegen jeden Abend. Dass die Band nach seinem Abschied innerhalb von zwei Jahren ein neues Studioalbum vorlegte, zeigt im Rückblick, wie lange der Stillstand mit ihm zusammenhing.
Wie wird Walsh heute eingeordnet?
Als eine der prägenden Stimmen des amerikanischen Progressive Rock. Loudwire führte ihn im April 2026 auf Platz 7 der besten Prog-Rock-Sänger aller Zeiten. Die Dokumentation „Miracles Out of Nowhere“ von 2015, für die die Originalbesetzung zum ersten Mal seit über dreißig Jahren gemeinsam vor der Kamera saß, zeigt ihn als nachdenklichen Erzähler seiner eigenen Geschichte, kritisch vor allem gegenüber den eigenen Songs.
Was bleibt, sind die Aufnahmen: sechs Studioalben der klassischen Besetzung, die Alben der zweiten Phase von Power bis „Somewhere to Elsewhere“, die Livemitschnitte und vier Soloalben. Wer den Einstieg sucht, findet ihn in der Diskografie. Und wer verstehen will, warum Walsh 1981 schon einmal ausstieg und 1985 zurückkam, liest den Artikel über Steve Walsh in den 80ern.
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