Power (1986)
Das Comeback von 1986: Walsh kehrt zurück, neu dabei sind Gitarrist Steve Morse und Bassist Billy Greer. Mit der Radio-Hymne „All I Wanted“. Zehn Titel, neun davon von Morse und Walsh, mit dem Philharmonia Orchestra aus den Abbey Road Studios. US-Platz 35, „All I Wanted“ auf Platz 19. Zum ersten Mal singt Walsh ein Kansas-Album allein.
Lead-Gesang: Steve Walsh · Aufnahme: The Castle, Franklin (Tennessee), 1986; Orchester in den Abbey Road Studios, London; Produzenten Andrew Powell und Phil Ehart
Entstehung: die Rückkehr mit Steve Morse
Fünf Jahre nach Audio-Visions und zwei Alben mit John Elefante formierte sich Kansas 1986 neu. Phil Ehart und Rich Williams holten Steve Walsh zurück, dazu kamen Gitarrist Steve Morse von den Dixie Dregs und Bassist Billy Greer, der schon bei Walshs Band Streets gespielt hatte. Kerry Livgren, Robby Steinhardt und Dave Hope waren nicht dabei. Aufgenommen wurde 1986 in The Castle in Franklin, Tennessee, produziert von Andrew Powell und Phil Ehart, Toningenieur war Nigel Walker. Die Orchesterparts spielte das Philharmonia Orchestra in den Abbey Road Studios in London ein, arrangiert und dirigiert von Powell. Power war das erste Album beim neuen Label MCA.
Die Songs: Achtziger-Rock mit Gitarrenvirtuosen
Power ist kein Prog-Album, sondern melodischer Rock der mittleren Achtziger, geprägt von Morses Gitarrenspiel. Fast alle Stücke schrieben Morse und Walsh gemeinsam, bei „Power“ war Randy Goodrum beteiligt, bei „Secret Service“ Aclin und Miller, bei „Three Pretenders“ Billy Greer. „All I Wanted“ wurde die Single und der letzte Top-20-Hit der Band, ein synthesizergetragener Song, den Billboard als vergleichsweise sanft beschrieb. „Musicatto“ ist das einzige Instrumental, eine Morse-Nummer, die später auf There's Know Place Like Home mit Orchester zu hören ist. „Can't Cry Anymore“ ist eine Coverversion der Band The Producers. Der Titeltrack, „Silhouettes in Disguise“ und „Tomb 19“ gehören zu den härteren Stücken.
Walshs Rolle
Walsh singt alle neun Gesangstitel allein, zum ersten Mal auf einem Kansas-Album ohne zweiten Leadsänger, und spielt sämtliche Keyboards. Als Co-Autor ist er an neun der zehn Titel beteiligt, mehr als auf jedem Album der Originalära. Der Sound ist der, den er mit Streets entwickelt hatte, nur mit größerem Budget. Wer Walsh als AOR-Sänger hören will, findet hier seine stärkste Studioleistung der Achtziger. Mehr zur zweiten Kansas-Phase im Artikel Die 80er-Jahre.
Rezeption und Charts
Platz 35 der Billboard 200 mit 27 Chartwochen, Platz 92 in Kanada, keine Platzierung in Deutschland. „All I Wanted“ erreichte Platz 19 der US-Single-Charts, Platz 10 der Mainstream-Rock-Charts und Platz 14 der Adult-Contemporary-Charts. Die Nachfolge-Singles „Power“ (US 84) und „Can't Cry Anymore“ blieben zurück. Eine Zertifizierung ist nicht belegt. Für die Fans der Siebziger war Power ein Stilbruch, für das Radio ein Erfolg, und für die Band der Beweis, dass Kansas ohne Livgren und Steinhardt funktionieren konnte.
Editionen
Die Original-LP erschien im Oktober 1986 bei MCA. In Japan gab es CD-Ausgaben 1987, 1988 und 2012, ein dokumentierter Remaster mit Bonustracks existiert nicht. Auf Vinyl ist Power deutlich seltener als die Siebziger-Alben, gebrauchte MCA-Pressungen sind die einzige Option. Übersicht unter Kansas auf Vinyl.
Warum das Album für Fans zählt
Power ist das Album der Rückkehr, und es zeigt Walsh in einer Rolle, die er vorher nie hatte: alleiniger Sänger und Hauptautor. „All I Wanted“, „Power“ und „Can't Cry Anymore“ gehören zu den besten AOR-Stücken, die er je gesungen hat. Wer nach den Siebziger-Klassikern wissen will, wie die zweite Phase klang, beginnt hier und geht weiter zu In the Spirit of Things. In unserer Bestenliste steht Power als Vertreter der Achtziger auf Platz 5.
Tracklist von Power
| Nr. | Titel | Länge | Autor(en) | Lead-Gesang |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Silhouettes in Disguise | 4:26 | Morse, Walsh | Walsh |
| 2 | Power | 4:25 | Goodrum, Morse, Walsh | Walsh |
| 3 | All I Wanted | 3:20 | Morse, Walsh | Walsh |
| 4 | Secret Service | 4:42 | Aclin, Miller, Morse, Walsh | Walsh |
| 5 | We’re Not Alone Anymore | 4:16 | Morse, Walsh | Walsh |
| 6 | Musicatto | 3:30 | Morse, Walsh | Instrumental |
| 7 | Taking In the View | 3:06 | Morse, Walsh | Walsh |
| 8 | Three Pretenders | 3:50 | Greer, Morse, Walsh | Walsh |
| 9 | Tomb 19 | 3:46 | Morse, Walsh | Walsh |
| 10 | Can’t Cry Anymore | 4:01 | Tim Smith, Van Temple (The Producers) | Walsh |
Besetzung
- Steve Walsh: Lead-Gesang, Keyboards
- Steve Morse: Gitarre, Backing-Gesang
- Rich Williams: Gitarre, Backing-Gesang
- Billy Greer: Bass, Gitarre, Backing-Gesang
- Phil Ehart: Schlagzeug
- Gäste: Philharmonia Orchestra (Arrangement und Dirigat Andrew Powell), Gary Chang (Keyboard-Programmierung)
Charts und Auszeichnungen
- US Billboard 200: Platz 35 (27 Wochen); „All I Wanted“ Platz 19, Mainstream Rock Platz 10
- Deutschland: keine Platzierung
- Kanada: Platz 92
- Auszeichnungen: nicht belegt
Walshs Anteil an Power
Walsh singt alle neun Gesangstitel allein, ohne zweiten Leadsänger, spielt sämtliche Keyboards und ist an neun der zehn Titel als Autor beteiligt, fast immer zusammen mit Steve Morse. Sein größter Autorenanteil auf einem Kansas-Album bis Freaks of Nature.
Häufige Fragen zu Power
Wer spielt auf Power Gitarre?
Steve Morse, vorher bei den Dixie Dregs, später bei Deep Purple, zusammen mit Gründungsmitglied Rich Williams. Kerry Livgren ist nicht dabei.
Welche Single war der Hit von Power?
„All I Wanted“, geschrieben von Steve Morse und Steve Walsh, erreichte Platz 19 der US-Charts und war der siebte und letzte Top-40-Hit von Kansas.
Ist Power ein Prog-Album?
Nein. Power ist melodischer Rock der Achtziger mit Orchesterparts des Philharmonia Orchestra. Die langen Suiten der Siebziger fehlen, dafür stehen kompakte Songs und Morses Gitarre im Mittelpunkt.
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