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Der Sound von Steve Walsh: Hammond-Orgel, Klavier, Synthesizer und Vibraphon

Hammond B-3, ARP Pro Soloist, Moog, Vibraphon, später Kurzweil: Welche Instrumente Steve Walsh spielte und wie sich der Kansas-Sound bis 1988 änderte.

Welche Instrumente spielte Steve Walsh bei Kansas?

Steve Walsh war bei Kansas Sänger und Keyboarder in einer Person, und die Albumcredits zeigen, wie breit sein Instrumentarium war: Orgel, Klavier, Synthesizer, Clavinet, Vibraphon, Congas und Percussion. Auf dem Debüt von 1974 stehen Orgel und Klavier im Vordergrund, auf Song for America kommen ARP- und Moog-Synthesizer dazu, auf Masque Clavinet und Congas. Das Vibraphon taucht auf Leftoverture und Point of Know Return auf.

Wichtig für die Einordnung: Walsh war nicht der einzige Tastenmann. Kerry Livgren spielte neben der Gitarre ebenfalls Klavier, Clavinet und Synthesizer, auf „Leftoverture“ laut Credits Moog, Oberheim und ARP. Die Aufteilung war meist so, dass Walsh die Orgel und die Grundflächen hielt, während Livgren zwischen Gitarre und Synthesizer wechselte. Warum Walsh diese Doppelrolle von Anfang an hatte, erklärt der Artikel über die frühen Jahre.

Warum ist die Hammond-Orgel das Herzstück des Kansas-Sounds?

Weil sie die Lücke zwischen Gitarre und Geige füllt. Auf Konzertvideos der 70er ist Walsh an einer Hammond B-3 zu sehen, im Studio nutzte er eine C-3, das baugleiche Modell mit geschlossenem Gehäuse. Der Ton der Hammond mit rotierendem Leslie-Lautsprecher legt sich unter Rich Williams’ und Livgrens Gitarren und gibt Robby Steinhardts Geige eine Fläche, auf der sie sitzen kann. Ohne die Orgel würde Kansas wie eine Gitarrenband mit Geige klingen, mit ihr wie ein kleines Orchester.

Walsh kam über Orgelrock zur Musik, über Bands wie Vanilla Fudge und Iron Butterfly, und das hört man bis in die späten Alben. Die Hammond ist kein Soloinstrument bei ihm, sondern der Boden, auf dem alles steht. In den Strophen von „Carry On Wayward Son“ hält sie die Akkorde, in den Instrumentalteilen von „Song for America“ trägt sie die Steigerungen. Woher dieser Zugang kommt, beschreibt der Artikel über seine musikalischen Einflüsse.

Welche Synthesizer nutzte Walsh in den 70ern?

Belegt sind der ARP Pro Soloist, den er ab der Zeit von „Song for America“ live spielte, und in den Credits ARP- und Moog-Synthesizer. Der Pro Soloist war ein einstimmiger Synthesizer mit voreingestellten Klängen, den Walsh auf der Bühne für Linien einsetzte, die im Studio von der Orgel kamen. Auf Fotos seiner Bühnenaufbauten sind außerdem ein ARP Omni, ein Streicher- und Flächensynthesizer, und eine Crumar-Orgel zu erkennen.

Die großen Synthesizer-Soli der Band kamen dagegen meist von Livgren, der mit Minimoog und Oberheim arbeitete. Das erklärt, warum Walsh live so viel Bewegungsfreiheit hatte: Seine Parts waren Orgel, Klavier und Gesang, die Synthesizerflächen konnte er an den Kollegen abgeben. Auf Two for the Show hörst du dieses Zusammenspiel in „Magnum Opus“, wo beide Keyboarder gleichzeitig arbeiten.

ÄraInstrumente laut Credits und BühnenfotosTypischer Einsatz
1974 (Kansas)Orgel, Klavier, CongasOrgel als Fundament, Klavier in Balladen
1975 (Song for America, Masque)Orgel, ARP- und Moog-Synthesizer, Clavinet, ARP Pro Soloist liveSynth-Linien in den langen Stücken
1976/77 (Leftoverture, Point of Know Return)Orgel, Klavier, Synthesizer, VibraphonVibraphon als Farbe, Klavier in „Dust in the Wind“-Umfeld
1979/80 (Monolith, Audio-Visions)Keyboards, SynthesizerMehr Synthesizer, weniger Orgel
1983/85 (Streets)Synthesizer, KeyboardsFlächen im Stil des 80er-Melodic-Rock
1986/88 (Power, In the Spirit of Things)Keyboards, ab 1987 mit zweitem Keyboarder Greg RobertWalsh stärker als Sänger, Robert übernimmt Flächen
1990er bis 2014Kurzweil K2000, K2VX, K2661, PC88, PC3K6Ein Instrument für Orgel-, Klavier- und Synth-Klänge

Was macht das Vibraphon auf Point of Know Return?

Es gibt den Stücken eine Farbe, die zwischen Klavier und Glocke liegt. Auf „Point of Know Return“ steht Walsh in den Credits mit Orgel, Synthesizern, Vibraphon, Klavier und zusätzlicher Percussion. Das Vibraphon ist ein Schlaginstrument mit Metallplatten und Resonanzröhren, das im Rock selten vorkommt, im Jazz dagegen ständig. Dass Walsh es einsetzte, passt zu seinem Hintergrund als Percussionist, der bei White Clover auch Congas gespielt hatte.

Auf der Platte fällt es nicht als Soloinstrument auf, sondern als Schicht in den Arrangements, dort, wo die Band leise wird. Wer es hören will, muss genau hinhören, vor allem in den ruhigen Passagen der langen Stücke. Genau diese Details sind der Grund, warum die Alben der 70er auf einer guten Anlage oder einer sauberen Pressung mehr hergeben als beim beiläufigen Hören. Welche Ausgaben sich dafür lohnen, steht im Artikel Kansas auf Vinyl.

Wie veränderte sich der Sound von 1974 bis 1988?

Von der Orgel zum Synthesizer und vom Keyboarder zum Sänger. Auf den ersten Alben trägt die Hammond die Band, ab „Monolith“ 1979 und Audio-Visions 1980 rücken Synthesizerflächen nach vorn, wie überall im Rock dieser Jahre. Bei Streets, Walshs Band zwischen 1982 und 1985, stehen in den Credits nur noch Synthesizer und Keyboards, und die Musik klingt entsprechend nach dem Melodic Rock der Zeit.

Nach der Rückkehr zu Kansas 1985 zog die Band die Konsequenz: Am 31. Januar 1987 kam Greg Robert als zweiter Keyboarder dazu, damit Walsh sich auf der Bühne mehr auf den Gesang konzentrieren konnte. Auf In the Spirit of Things von 1988, produziert von Bob Ezrin, sind die Keyboards dicht und modern, mit Chor und Gastautoren, weit weg vom Hammond-Sound von 1974. Wie diese Jahre verliefen, liest du im Artikel über Steve Walsh in den 80ern.

Welche Keyboards spielte Walsh in den späten Jahren?

Kurzweil. Walsh war über Jahre Endorser des Herstellers und sagte, er habe immer Kurzweil-Instrumente genutzt, angefangen mit dem K2VX bis zum K2661, und die ganze Produktlinie habe ihn nie im Stich gelassen. Auf Bühnenfotos aus den 90ern und 2000ern sind K2000, PC88 und später das PC3K6 zu sehen. Ein einziges Instrument lieferte damit Orgel, Klavier und Synthesizer, was für einen Sänger, der zwischen Tasten und Mikrofon pendelt, praktischer ist als ein Turm aus Vintage-Geräten.

Für den Klang bedeutete das einen Kompromiss: Die Hammond-Sounds der Kurzweil-Modelle sind gut, aber nicht die Hammond. Wer den Originalklang hören will, greift zu den Alben von 1974 bis 1977 oder zu „Two for the Show“. Wer hören will, wie die Band die Stücke später mit digitalen Instrumenten spielte, findet die Aufnahmen auf der Seite Kansas-Live-DVDs.

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