Die musikalischen Einflüsse von Steve Walsh: Orgelrock, britischer Prog und Blues
Vanilla Fudge und Iron Butterfly als Teenager, Paul Rodgers als Vorbild, Steve Hackett als Gastgeber: woher der Stil von Steve Walsh kommt.
Geboren 1951 in St. Joseph, Missouri, kam Steve Walsh 1972 zu White Clover in Topeka. Aus der Band wurde 1973 Kansas, 1974 erschien das Debüt.
Steve Walsh kam am 15. Juni 1951 in St. Joseph im US-Bundesstaat Missouri zur Welt. Er wurde als Kind adoptiert und wuchs in Missouri auf, bevor die Familie nach Kansas zog. Dort, im Umfeld der Hauptstadt Topeka, fand er als Jugendlicher zu Klavier und Orgel, den Instrumenten, die später seinen Platz in der Band bestimmen sollten. Mehr als diese Eckdaten ist über seine Kindheit nicht verlässlich dokumentiert, und wir lassen es deshalb dabei.
Was sich dagegen gut belegen lässt, ist der Weg vom Lokalmusiker zum Sänger einer Band mit Plattenvertrag. Er führt über mehrere Topeka-Gruppen, zwei Bands namens Kansas und eine, die sich White Clover nannte. Wer verstehen will, warum Walsh bei Kansas von Anfang an Sänger und Keyboarder in einer Person war, muss diese Vorgeschichte kennen. Eine Kurzfassung seiner gesamten Laufbahn findest du in der Biografie.
White Clover war eine Rockband aus Topeka, in der Schlagzeuger Phil Ehart und Bassist Dave Hope spielten. 1970 schlossen sich die beiden mit Kerry Livgrens Band zusammen, und die neue Formation nannte sich Kansas, heute oft als „Kansas I“ bezeichnet. Diese Besetzung mit mehreren Sängern, zwei Keyboardern und Saxofon hielt nur bis Anfang 1971. Dann verließen Ehart und Hope die Gruppe und gründeten White Clover neu.
1972 kam der entscheidende Schritt. Ehart war nach England gereist, um dort nach Musikern zu suchen, und kehrte ohne Ergebnis zurück. Zurück in Topeka stellten er und Hope White Clover ein weiteres Mal auf: mit Robby Steinhardt an Geige und Gesang, Rich Williams an der Gitarre und Steve Walsh als Sänger, Keyboarder und Percussionist. Genau diese Formation war der Kern dessen, was ein Jahr später als Kansas bekannt wurde. Kerry Livgren spielte zu dieser Zeit noch in der zweiten Band namens Kansas, die parallel existierte.
Anfang 1973 holte White Clover Livgren als Gitarristen und Songschreiber dazu, seine bisherige Band löste sich daraufhin auf. Damit stand die Besetzung, die die sechs klassischen Kansas-Alben einspielen sollte: Walsh, Livgren, Steinhardt, Williams, Hope und Ehart. Die Band schickte Demobänder an Plattenfirmen, und eines davon landete bei Wally Gold, dem Mitarbeiter des Produzenten und Musikverlegers Don Kirshner.
Gold fuhr im März 1973 nach Ellinwood, Kansas, um sich die Band bei einem Konzert anzusehen. Er war überzeugt, und die Gruppe unterschrieb bei Kirshners Label. Mit dem Vertrag kam der alte Name zurück: Die Band nannte sich wieder Kansas, diesmal endgültig. Die Aufnahmen für das Debütalbum fanden im September und Dezember 1973 in den Record Plant Studios in New York statt, produziert von Wally Gold. Wie sich die Band aus dieser Zeit bis heute entwickelte, liest du auf der Seite über Kansas.
Bei White Clover und dann bei Kansas gab es keinen reinen Frontmann. Walsh sang und spielte gleichzeitig Orgel und Klavier, dazu Congas und Mundharmonika. Das war zunächst eine praktische Lösung, weil die Band ohnehin zwei Keyboarder brauchte: Livgren wechselte zwischen Gitarre und Tasten, Walsh übernahm den Löwenanteil an Orgel und Klavier. Für die Bühne bedeutete das ein ständiges Hin und Her zwischen Mikrofon und Instrument, das Walsh zu einem der auffälligsten Frontmänner seiner Generation machte.
Diese Doppelrolle prägte auch das Songwriting. Auf dem Debüt schrieben Livgren und Walsh das meiste Material, aber in verschiedene Richtungen: Livgren lieferte die langen, von östlicher Spiritualität geprägten Stücke, Walsh steuerte die kürzeren, direkteren Songs bei. Diese Arbeitsteilung hielt bis 1980 und war zugleich Stärke und Konfliktquelle der Band. Wie Walshs Instrumente den Kansas-Sound formten, erklärt der Artikel über Hammond-Orgel und Synthesizer.
Das Album Kansas erschien am 8. März 1974 bei Kirshner Records, in Europa über Epic. Es kam auf Platz 174 der Billboard 200 und verkaufte sich zunächst rund 135.000 Mal. Das klingt nach wenig, reichte aber, damit das Label an der Band festhielt. Erst 1995 erhielt das Debüt in den USA Gold für eine halbe Million verkaufter Exemplare, was zeigt, wie sehr die späteren Hits die frühen Platten mitzogen.
Musikalisch war schon alles angelegt, was Kansas ausmachen sollte: amerikanischer Boogie-Rock trifft auf symphonische Arrangements mit wechselnden Taktarten, dazu Steinhardts Geige und Walshs Tenor. Die beiden folgenden Alben erschienen in schneller Folge, Song for America im Februar 1975 und Masque im September 1975. Beide wurden von Jeff Glixman und Wally Gold produziert und im Studio in the Country in Bogalusa, Louisiana, aufgenommen.
| Jahr | Station | Was passierte |
|---|---|---|
| 1951 | St. Joseph, Missouri | Geburt am 15. Juni |
| 1970 | Topeka | White Clover und Livgrens Band fusionieren zu „Kansas I“ |
| 1971 | Topeka | Ehart und Hope verlassen die Gruppe, White Clover wird neu gegründet |
| 1972 | Topeka | White Clover mit Walsh, Steinhardt, Williams, Hope, Ehart |
| 1973 | Ellinwood | Wally Gold sieht die Band, Vertrag bei Don Kirshner, Umbenennung in Kansas |
| 1973 | New York | Aufnahmen für das Debüt in den Record Plant Studios |
| 1974 | USA | Debütalbum erscheint am 8. März, Platz 174 |
| 1975 | Bogalusa | „Song for America“ (Platz 57) und „Masque“ (Platz 70) |
Die frühen Jahre erklären, warum Walsh im Bandgefüge nie nur Sänger war. Er hatte White Clover als Keyboarder mitgeprägt, bevor der Erfolg kam, und er behielt diese Rolle bis zu seinem Abschied 2014. Die Doppelbelastung wurde später zum Problem, als die Band ab 1987 einen zweiten Keyboarder engagierte, damit Walsh sich stärker auf den Gesang konzentrieren konnte.
Wer den Klang dieser Anfangszeit hören will, greift zum Debüt und zu „Song for America“. Dort steht Walshs Stimme noch nicht im Rampenlicht der großen Hits, sondern arbeitet sich durch lange Instrumentalpassagen, in denen die Band ihre Möglichkeiten auslotete. Der Durchbruch kam erst mit Leftoverture 1976, und wie die Band die Stücke dieser Ära auf die Bühne brachte, liest du im Artikel über Kansas live in den 70ern.



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Two for the Show hält die Kansas-Konzerte von 1977 und 1978 fest, u. a. aus dem Palladium New York. Setlist, Bühne, Walshs Rolle, 30th-Anniversary-Ausgabe.
Hammond B-3, ARP Pro Soloist, Moog, Vibraphon, später Kurzweil: Welche Instrumente Steve Walsh spielte und wie sich der Kansas-Sound bis 1988 änderte.